Die Krefelder Künstlerin Patrizia Casagranda schloss 2002 ein Design-Studium an der FH Niederrhein mit Auszeichnung ab und besuchte die Malakademien in Nizza, Ravensburg und Trier. Nach wechselnden Tätigkeiten als Grafikerin (u. a. für Günther Uecker und Markus Lüpertz) arbeitet sie seit 2015 freischaffend. Für ihre Kunst kennzeichnend sich ausdrucksstarke Symbiosen aus Collage, Malerei und Elementen der Street-Art.

Patrizia Casagranda arbeitet in thematisch homogenen Bildserien. Während ihre frühen Serien noch vor allem die Materialität herausstellen und sich um das Gegenspiel von zeitloser Ästhetik und Vergänglichkeit bewegen, geht sich in ihrer letzten Reihe noch einen Schritt weiter. Die neusten, bereits vielbeachteten Werke sind jungen Inderinnen der Kalbelia-Kaste gewidmet. Früher Nomaden und Schlangenbeschwörer, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehören, stehen die Kalbelia ganz unten im Kastensystem und leben heute vom Tanz und Müllauflesen. Die Künstlerin lernte die 13 bis 25-jährigen Mädchen bei ihrer Arbeit im nordindischen Rajasthan kennen und war fasziniert von deren ungebrochener Lebensfreude und dem bedingungslosen Vertrauen in die Zukunft.

Inspiriert von dieser Lebensenergie und der alten Kultur, aber auch mit dem Wunsch, diesen harten Alltag zu beleuchten, hat Casagranda im wahrsten Sinne vielschichtige Porträts der Mädchen geschaffen und Materialien direkt aus den Müllfunden, die sie ihnen zuvor abgekauft hatte, mitverarbeitet. Entsorgte Wellenpappe, Jute, Saris-Stofffetzen, etc., dazu Mörtel, Furchen und mit Stencils gemachte Gips-Noppen bilden die reliefartige Oberflächenstruktur. Die raue Materialität wird außerdem mit Schablonenkunst, Malerei, Graffiti- und typografischen Elementen überlagert. So entstehen einzigartige Portraits, ästhetisch und komplex, die die starken Persönlichkeiten der jungen Müllsammlerinnen feiern.

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