(1887, Wizebsk, Weißrussland - 1985, Saint-Paul-de-Vence, Frankreich)

Chagalls träumerisch-figurativer Stil machte ihn zu einem der wohl populärsten Vertreter der Klassischen Moderne. Zwischen Abstraktion, ausgeprägter Symbolik und ausdrucksstarken Farben ließ er sich kaum einer Schublade zuordnen und gelangte gerade deswegen zu weltweiter Beachtung. Seine poetische Bildsprache wirkt global; viele seiner Themen - Liebe, Familie, Musik - sprechen zu dem Betrachter unabhängig des kulturellen Hintergrunds. Zugleich blieb Chagall zeitlebens seiner religiösen Identität als Jude und der Gedankenwelt und Folklore seiner osteuropäischen Heimat verbunden.

 

1 - "Der Hahn über Paris" ("Le Coq sur Paris"), 1958. Farblithografie auf Vélinpapier von Arches. Blattmaße: 45 x 60 cm, m. Museumsglas gerahmt: 92 x 77 cm. Handsigniert  u. nummeriert in Bleistift. Auflage 71/125. WVZ: André Sauret, 1963, Nr. 223.

Ein Liebespaar schwebt über der nächtlichen Seine und der Stadtsilhouette mit Eiffelturm, dem Invalidendom und der Kathedrale von Notre Dame. In noch luftigerer Höhe hält sich ein rot-grünes hahnenartiges Wesen auf. Die linke Hälfte seines Profils zeigt das Haupt eines Mannes, dessen Blick sich auf eine Leinwand richtet, die eine junge Frau mit Blumenstrauß zeigt. Der Mond wird zu einem geschlossenen Kreis, der satellitenhaft  auch die Sonne einschließt. Inmitten dieser astronomischen Architektur schwebt der Maler als Hahn mit seiner Staffelei und der Palette unter dem Flügel. Die exzellente Grafik vereint in ihrer verträumt-romantischen Komposition viele der charakteristischen Themen und Elemente von Chagalls Malerei. Das Motiv war als Postkarte weit verbreitet. Die Lithografie ist Bestandteil der Nationalbibliothek in Paris und der Sammlung des Chagall-Museums in Nizza.

 

2 - "Akkordeonspieler", 1957. Farblithografie auf Vélin von Arches. Bildmaße: 25 x 40, 5 cm, m. Museumsglas gerahmt: 70 x 83 cm. Handsigniert  u. nummeriert in Bleistift. Auflage: 58/90. WVZ: André Sauret, 1963, Nr. 204.

1957 brachte der Schriftsteller und Kunstkritiker Jacques Lassaigne ein Kunstbuch über Chagall heraus (Maeght Verlag, 6000 Exemplare). Hierfür schuf der Künstler 15 Lithografien. Sie wurden gesondert in je 90 nummerierten Exemplaren mit Namenszug auf Vélinpapier mit großem freiem Rand abgezogen. "Akkordeonspieler" ist die mit Abstand reizvollste Grafik aus der Auswahl. Die schwungvolle Szenerie am Himmel wird in eine Sinfonie aus gelben, orangefarbenen und roten Tönen getaucht. Dass Chagall sich selbst als Akkordeonspieler darstellt, ist, wie in zahlreichen seiner Gemälden und Grafiken, eine charmante Reflexion auf seine Kindheit in einem weißrussischen Dorf und seine lebenslange Liebe zur Musik.

 

3 - "Champs Élysées", 1954. Farblithografie in Kooperation mit Charles Sorlier. Druck auf Vélin von Arches. Bildmaße: 60 x 42 cm, m. Museumsglas gerahmt: 97 x 70 cm. Handsigniert in Stein u. in Bleistift, nummeriert. Auflage: 172/200. Wasserzeichen: rechter Seitenrand. WVZ: Andre Sauret, 1984, CS 6.

Für Marc Chagall waren die „ Champs Élysées“ die Aorta von Paris. Das pulsierende Leben der Prachtstraße faszinierte ihn ein Leben lang. In ihrer farblichen wie detaillierten Gestaltung übertrifft diese Lithographie alle anderen Darstellungen Chagalls von der Pariser Promenade. Zudem zeichnet die poetische Verklärung mit dem Liebespaar über den „Champs Élysées“ diese Komposition als eine seiner schönsten druckgrafischen Werke aus. Mitgewirkt an der Ausführung hat der Lithograf Charles Sorlier, technischer Direktor der Druckerei Mourlot und Chagalls langjähriger Freund. Später wurde diese Komposition auch als Plakat für die Chagall-Ausstellung "Paris" in der Galerie Maeght verwendet.

 

4 - "Der Strauß" ("Le Bouquet"), 1955. Farblithografie in Kooperation mit Charles Sorlier. Druck auf Vélin von Arches. Bildmaße: 64 x 50 cm, m. Museumsglas gerahmt: 92 x 75 cm. Handsigniert u. nummeriert in Bleistift. Auflage: 231/300. Wasserzeichen: rechter Seitenrand. WVZ: André Sauret, 1984, CS 8.

„Der Strauß“ war die bereits achte Zusammenarbeit von Sorlier und Chagall, ausgeführt nach einer gleichnamigen Gouache des Künstlers. Der dargestellte Rosenstrauß auf einem Tisch hat in der Symbolsprache von Marc Chagall zentrale Bedeutung: Poetisch verbindet er junge Liebe mit der Schönheit von Blüten. Bouquets in den Händen von Liebenden sind für Chagall eine Metapher für innige Zuneigung und sehnsuchtsvolle Hingabe. Rechts am unteren Bildrand sind ein Mann und eine Frau als eine körperliche Einheit dargestellt. Am scharlachroten Himmel ist die Stadtsilhouette von Chagalls Geburtsort Peskovatik bei Witebsk zu erkennen, die das Motiv mit einem persönlichen Bezug auflädt.

 

5 - "Akt mit Früchtekorb" ("Nu à la corbeille de fruits"), 1953/54. Lithografie auf Arches Papier. Bildmaße: 42 x 63,5 cm, m. Museumsglas gerahmt: 77 x 95 cm. Handsigniert u. nummeriert in Bleistift. Auflage: 3/75 sowie einige E.A.-Abzüge. Wasserzeichen: unterer Blattrand. WVZ: André Sauret, 1960, Nr. 91.

In den frühen 1950er Jahren war die Wiedergabe des Reichtums der Natur eines der zentralen Motive von Marc Chagall. In mehr als 20 Varianten malte er gefüllte Früchtekörbe. In dieser Grafik kombiniert er dieses Motiv mit der Darstellung einer Mutter mit Kind. Somit werden die reichen Gaben der und die Schönheit der Natur (in Form des Blumenstraußes) mit den Themen der Fruchtbarkeit  und Mutterschaft verknüpft.

 

6 - "Selbstportrait", 1968. Radierung auf Vélin von Arches. Bildmaße: 30 x 23,5 cm, m. Museumsglas gerahmt: 60 x 60 cm. Handsigniert u. nummeriert in Bleistift. Auflage: 12/50. WVZ: Cramer 28.

Marc Chagall hat gerne in Selbstdarstellungen, die er in seine zahlreichen Grafiken integrierte, immer wieder künstlerisch über das eigene Ich reflektiert. Diese Radierung stellt eines der eindrucksvollsten seiner Selbstbildnisse dar. Seine Frau Valentina "Vava" Chagall schwebt ganzfigurig über dem französischen Ort St. Paul de Vence, dessen Silhouette mit dem historischen Turm links in der Mitte platziert ist. Der gebürtige Weißrusse Chagall liebte seine französische Wahlheimat, bringt sie hier aber auch in Verbindung mit seinem Geburtsort Peskovatik bei Witebsk, welcher durch die klein angedeuteten Häuser links unten in der Komposition erfasst sind.

 

Alle Preise auf Anfrage.

Zurück